Home: HerJo-Verlag HamburgUnd ewig stänkert der Dichter

von

Unernst Kandl

112 Seiten, Taschenbuch, 12,50 Euro

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Und ewig stänkert der Dichter
Kurzweil verspricht dieses abwechslungsreiche Unernst-Kandl-Lesebuch. Neben schüttelgereimten Vierzeilern und anderen humoristischen Poemen stehen satirische Prosastücke und sogar ein komplettes Romankapitel.
Mit Spitzen und Schärfen "stänkert" der postmoderne Dichter gegen die Politik, Dichter, Promis, Religion, Liebe, Militär und Kapital. Seine subtilen Texte trägt er in sprachlicher Brillanz und virtuosen Formspiel vor.
Wer wissen möchte, ob Otto Schily wirklich eine Büßer-Sekte gegründet hat oder ob junge Poeten permanent inkontinent sind, für den ist dieses Buch der ideale Regalständer. Geklärt wird auch, ob "steinreich" zwangs-läufig gleich "stinkfaul" ist oder ob Xavier Naidoo - Poesie oder nur gequirlte Pop-Scheiße - singt ... und ...

Erst dann, "wenn Sachsen beim Faxen die Hachsen wachsen und Hessen indessen zu essen vergessen ...", liest man die schonungslose Toilettenbenutzungsordnung und ist froh, auf seinem Örtchen all jene Fragen in diesem Buch beantwortet zu bekommen.
Leseprobe1:
Auszug aus der Kurzgeschichte -
Ein ICE-Wagen mit hoher Dichterdichte

Dr. K. hatte sich auf den für ihn reservierten Platz geschoben. Nun versuchte er, eine bequeme Position einzunehmen. Das war nicht ganz einfach, weil die Dame auf dem Fensterplatz ihre versammelte Korpulenz einsetzte, um einen möglichst großen Bewegungsraum zu behaupten. ”Fast fünfzig Jahre alt und immer noch die engen Plätze der zweiten Klasse”, ging es ihm durch den Kopf. Und er dachte in aufwallender Nostalgie an seine Frau, die sich auf dem Bahnsteig zusehends in eine entfernte Winzigkeit verlor. Sie hatte diese Reise gemanagt und managend wie immer an alles gedacht. Nur nicht daran, dass die Sitzplätze der Deutschen Bahn, zumal in dieser Klasse, auf die kürzer und knapper bemessenen Durchschnittszeitgenossen zugeschnitten waren. Auf die ‘normierten Kleingeister’, wie Dr. K. sie gerne und nicht ganz frei von Verachtung nannte. ”Ganz schön eng hier”, kam es ihm über die Lippen. Und noch ahnte er nicht im Entferntesten, welch folgenschwere Entwicklung er mit dieser kritischen Bemerkung losgetreten hatte.

”Ja, ja, die Enge.” Die korpulente Nachbarin schien  die Äußerung ihres korpulenten Nachbarn zu bestätigen. Aber offenbar meinte sie eine andere Art von Enge als die simple Raumknappheit. ”Von der Wiege bis zur Bahre quälen eng sich deine Jahre”. Frau Richter-Steinhaeckerle lächelte Dr. K. an wie ein Kind, das für einen guten Deutschaufsatz gelobt werden möchte.

”Ja, ja”, bestätigte Dr. K. mit einer Miene, als sei ihm im China-Restaurant eine sehr saure Ente als süßsaure Ente vorgesetzt worden. Und heimlich, ganz tief drinnen, schickte er ein Stoßgebet an eine sehr selten frequentierte Adresse:”Bitte, lieber Gott, lass sie keine Lyrikerin sein.” Aber es half nichts. ...
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